SPD wirkt

„Wir sind dankbar, dass es Dich gibt“

Veröffentlicht am 03.05.2012 in Ortsverein

Herbert Moser. Photo: Gränzbote

Gränzbote, 03.05.12 Der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat Herbert Moser schreibt seinem Weggefährten Erich Weber Tuttlingen (pm) - „Lieber Erich, heute feierst Du Deinen 80. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch und aufrichtigen Dank für alles, was Du für Deine Familie, für die Stadt und den Landkreis Tuttlingen, für die SPD, für Deine Freunde, für unzählige Schülerinnen und Schüler und deren Bildung, kurz: was Du für uns getan hast.

Mit 80 hast Du das Recht, ein weltoffen munter beobachtender „Stubenhocker“ zu sein, wie Du selbst von Dir sagst. Trotzdem, im Innern bleibst Du „la Bête Politique“ (das politische Tier), das Du immer warst. Du mischst dich ein und das ist gut so. Für diese Einmischungen im weitesten Sinne, hat Dir der Bundespräsident das Verdienstkreuz verliehen. Dies war eine gute Entscheidung. 1932 kamst Du in diese Welt und, wie Du mal sagtest, bist Du ganz froh darüber, dass dies vor Hitlers Machtergreifung geschah. Dieser Hitlerei habt ihr Webers widerstanden, ihr hörtet immer Radio Beromünster, traft Euch mit Gleichgesinnten, wurdet denunziert und musstet die Verbrechen und den Betrug der Nazizeit auch in der Familie teuer bezahlen, wie leider viele andere ebenfalls. Der Krieg ließ Deinen Bruder in Russland verschollen. Du wurdest katholisch in einem liberalen Haus erzogen. SPD-Mitglied wurdest Du auch, weil SPD und Katholisch-Sein, nach Aussagen konservativer Prediger, nicht vereinbar sei. Man spürte schon damals Deine geistige Selbständigkeit, die sich durch dein ganzes Leben zieht. SPD heißt für Dich: Selbständig Politisch Denken. Musik, Jazz beispielsweise, spieltest Du in den 50er-Jahren, als dies in vielen Köpfen noch Negermusik war. Musik ist und war immer ein wichtiger Teil Deines Lebens und das der Webers. Du kochst gern, isst gern und magst guten Wein. Wunderbar. Ich weiß nicht, wie viele Bücher Du gelesen hast und immer noch verschlingst. Daher bleibe ich dabei: Hinter 80 Jahren Erich Weber verbirgt sich ein kluger Kopf. Dieser Kopf schreibt und schrieb auch viel. Manche behaupten, Du wärst Emil. Bestätigt werden konnte dies aber nie. Was die Stadt Tuttlingen anbelangt behaupte ich, niemand hat für die Stadt so viel bewegt und beeinflusst, wie Du. Ich nenne nur drei Projekte, die Deine Spuren tragen: Das Rathaus, das knapp vor dem Abbruch stand und heute ein Juwel in der Stadt ist, die Bohrung nach der heißen Quelle unter dem Hallenbad, die Du mit Hellmut Dinkelaker durchgesetzt hast und von der zigtausende Bürgerinnen und Bürger heute profitieren und der Witthoh-Tunnel. Ohne Deine Hartnäckigkeit gäbe es diese Dinge nicht. Erich, Du warst ein guter, strenger, gerechter, engagierter und innovierender Lehrer, der es geschafft hat, viel Interesse für die Welt und die Zukunft zu erregen. Wir hatten den Optimismus, der heute leider manchmal fehlt. Wir fanden spannend, was uns nach der Schule, im Studium oder Beruf erwartet. Ja, ich hör‘s immer wieder: Erich Weber war ein guter Lehrer. Eigentlich wolltest Du ja Architekt werden, wie Dein Vater, aber dann hast Du zur Romanistik, Politik und Geschichte gewechselt und in Tübingen studiert. Professor Eschenburg prägte Dich mit. Und vielleicht ist dies auch der Grund, weshalb Du einige Deiner angehenden Kollegen in die Politik mit begleitet hast, die unser Land beeinflussten. Mir fallen Ernst Burgbacher, Ernst Pfister, Hans Ulrich Rülke ein. Du selbst hast auf die große Politik verzichtet, aus guten Gründen. Obwohl die unvergessene Bundestagsabgeordnete Hedwig Meermann Deinen Rat suchte und Dir den Weg in die Politik mit vorbereitete. Dein Verzicht hat mir die Möglichkeit gegeben, in den Landtag von Baden-Württemberg einzuziehen. Ich hoffe, dass das Vorbild Erich Weber dabei zum Vorschein kam, denn auch ich habe das selbständige politische Denken in der SPD vorgezogen. Dir waren Deine Elisabeth und deine Kinder Stefan und Katrin wichtiger. Du hattest rechtzeitig erkannt, dass Politik heute für den Beruf und die Familie einen hohen, meist zu hohen Preis abverlangt. Sicher hättest Du der Gnadenlosigkeit des Zeitaufwands und der Trennungen widerstanden. Trotzdem, im Nachhinein betrachtet war es richtig, wie Du Dich entschieden hattest. Du hattest mehr Zeit für Elisabeth und Stefan, die Dir leider schicksalhaft genommen wurden. Mit gutem Recht hattest Du Zweifel und Hader mit Deinem Gott. Wir auch. Und trotzdem, ohne Ihn bist du nicht. Heute, manchmal etwas wacklig auf den Beinen, hast Du Freude an deinen Enkeln Milena und Ferdinand, die in Wien mit Katrin und Robert aufwachsen und, Gott sei Dank, immer wieder durch Dein Haus in Tuttlingen rennen. Lachend, lärmend, lebendig. Sei dankbar, wie wir es sind, dass es Dich gibt. Für alle, die Dich mögen, achten, ehren, wünschen wir: „Ad multos annos.“